Fassadendämmung (WDVS) anbringen - eine Übersicht
Kurzbeschreibung
Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) – umgangssprachlich oft 'Styropor-Dämmung' genannt – ist die effektivste Methode, um ein Haus von außen einzupacken und die Heizkosten drastisch zu senken. Die Dämmplatten schützen die Bausubstanz vor Witterungseinflüssen und sorgen für ein behagliches Wohnklima. Viele Heimwerker überschätzen jedoch die Einfachheit des Systems ('einfach Platten an die Wand kleben') und unterschätzen die Komplexität und die Fehlerquellen. Ein unsachgemäß angebrachtes WDVS kann zu Rissen, Algenbildung, Wärmebrücken oder im schlimmsten Fall zur Ablösung ganzer Platten führen. Dieses Projekt ist daher ausdrücklich KEINE DIY-Anleitung, sondern ein informativer Überblick für Bauherren. Es soll das Verständnis für dieses komplexe Handwerk schärfen. Du lernst die wichtigsten Komponenten kennen – vom Sockelprofil über die Dämmplatten und die Verdübelung bis hin zur finalen Armierungs- und Putzschicht. Dieses Wissen hilft dir, die Arbeit eines Fachbetriebs zu verstehen, Angebote zu vergleichen und die Qualität der Ausführung zu beurteilen.
Werkzeuge
- Gerüst ⚠
- Rührstab Amazon
- Akkuschrauber Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Toom
- Glättkelle Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Toom · Globus · Hagebau
- Zahnkelle Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Globus
Materialien
- Sockelprofil ⚠
- Dämmplatten OBI · Bauhaus · Hornbach · Hagebau
- Klebe- und Armierungsmörtel ⚠
- Dämmstoffdübel ⚠
- Armierungsgewebe Amazon · OBI · Hornbach · Toom · Globus
- Tiefengrund Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Toom · Globus
- Oberputz ⚠
- Fassadenfarbe ⚠
Projektschritte
- 01
**Dies ist ein Projekt für einen zertifizierten Fachbetrieb! Die Schritte dienen nur dem Verständnis.**
- 02
**1. Vorbereitung:** Einrüstung des Gebäudes. Reinigung und Prüfung des Untergrunds. Anbringen der Sockelprofile als unterer, exakt waagerechter Abschluss der Dämmung.
- 03
**2. Dämmplatten kleben:** Anrühren des Klebemörtels. Auftragen des Klebers auf die Dämmplatten (meist Punkt-Wulst-Methode). Ansetzen der Platten an der Fassade, von unten nach oben, press gestoßen und im Verband.
- 04
**3. Dämmplatten dübeln:** Nach dem Aushärten des Klebers werden die Platten zusätzlich mit speziellen Dämmstoffdübeln mechanisch in der Wand verankert. Die Anzahl und das Schema der Dübel wird vom Statiker vorgegeben.
- 05
**4. Armierungsschicht auftragen:** Auftragen einer Schicht Armierungsmörtel auf die Dämmplatten. In diese nasse Schicht wird vollflächig ein Armierungsgewebe (Glasfaser) eingearbeitet und anschließend nochmals dünn mit Mörtel überspachtelt. Diese Schicht verhindert Risse.
- 06
**5. Oberputz und Anstrich:** Nach dem Trocknen der Armierungsschicht wird eine Grundierung und anschließend der finale Oberputz (z.B. Scheibenputz, Reibeputz) aufgetragen. Dieser gibt der Fassade ihre Struktur.
- 07
Abschließend erfolgt der Anstrich mit einer diffusionsoffenen Fassadenfarbe.
Wichtige Hinweise
- SICHERHEIT
- Arbeiten an der Fassade erfordern ein professionelles und standsicheres Gerüst. Eigenbauten aus Leitern und Bohlen sind lebensgefährlich.
- QUALITÄT
- Die Dämmplatten müssen absolut press, also ohne Fugen, gestoßen werden. Jede Fuge zwischen den Platten ist eine massive Wärmebrücke. Fugen dürfen nicht nachträglich 'ausgeschäumt' werden, sondern müssen mit Dämmstoffstreifen geschlossen werden.
- TIPP
- Achte darauf, dass der Fachbetrieb alle Anschlüsse (Fenster, Türen, Dach) mit speziellen, vorkomprimierten Dichtbändern (Kompribändern) und Anputzleisten ausführt. Hier entstehen sonst die häufigsten Wärmebrücken und Risse.
- VORBEREITUNG
- Eine Fassadendämmung ist eine komplexe Maßnahme, die nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) ausgeführt und oft staatlich gefördert (z.B. durch die KfW) wird. Die Planung und Ausführung durch einen Energieberater und einen zertifizierten Fachbetrieb ist unerlässlich.
⚠ Warnungen
- GEFAHR
Absturzgefahr ist die größte Gefahr bei Fassadenarbeiten. Überlasse diese Arbeit Profis.
- MATERIALSCHADEN
Ein unsachgemäß ausgeführtes WDVS kann zu irreparablen Bauschäden führen. Die häufigsten Fehler sind eine mangelhafte Verklebung, fehlende Verdübelung und eine fehlerhafte Ausführung der Armierungsschicht, was zu Rissen und dem Eindringen von Wasser führt.