Anleitung: Keller von innen abdichten mit Dichtschlämmen
Kurzbeschreibung
Falscher Glaube: "Eine Innenabdichtung löst alle Feuchteprobleme." Die Realität sieht anders aus. Eine Kellerabdichtung von innen mit Dichtschlämme ist eine Notlösung, wenn eine fachgerechte Außenabdichtung nicht möglich ist – etwa weil der Keller angebaut ist, die Kosten für eine Außengrabung zu hoch sind oder Leitungen im Weg liegen. Dichtschlämme arbeitet gegen den Wasserdruck, was bei drückendem Grundwasser problematisch sein kann. Moderne mineralische Dichtschlämmen sind jedoch für leichten Wasserdruck ausgelegt und können Kellerwände effektiv gegen Durchfeuchtung schützen – wenn die Anwendung korrekt erfolgt. Der Erfolg hängt von drei Faktoren ab: Gründliche Untergrundvorbereitung, korrekte Materialwahl und fachgerechte Verarbeitung. Diese Anleitung zeigt dir, wie du mineralische Dichtschlämme richtig anmischst, auf die vorbereitete Kellerwand aufträgst und einen dauerhaften Feuchtigkeitsschutz erreichst. Du lernst, wann Dichtschlämme sinnvoll ist, welche Produkte für welche Situationen passen und wie du typische Fehler vermeidest.
Werkzeuge
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- Maurerkelle Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Toom · Hagebau · Globus
- Quast Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Toom · Hagebau · Globus
- Glättkelle Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Toom · Globus · Hagebau
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- Schutzbrille Amazon · Hornbach · Toom · Hagebau · Globus
- Sprühflasche Amazon · OBI · Bauhaus · Hornbach · Toom · Globus · Hagebau
Materialien
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- Sauberes Wasser zum Anmischen ⚠
- Dichtschlämme ⚠
- Armierungsgewebe Amazon · OBI · Hornbach · Toom · Globus
Projektschritte
- 01
Kläre, ob Innenabdichtung sinnvoll ist: Dichtschlämme von innen funktioniert nur bei nicht drückendem oder leicht drückendem Wasser (bis 1-2 m Wassersäule). Bei stark drückendem Grundwasser oder Schichtwasser ist nur Außenabdichtung dauerhaft. Prüfe auch: Sind Salze neutralisiert? Ist die Wand grundiert? Diese Vorarbeiten müssen erledigt sein.
- 02
Wähle die richtige Dichtschlämme: Mineralische Dichtschlämme gibt es 1-komponentig (nur Pulver + Wasser) oder 2-komponentig (Pulver + Kunststoffdispersion). 2-komponentig ist flexibler und haftet besser. Für hohe Belastung: KKS (Kunstharz-modifizierte Kratz-Spachtel-Schlämme). Markennamen: Ceresit CR 65, Sopro DSF 424, Schomburg Aquafin.
- 03
Berechne den Materialbedarf: Dichtschlämme wird in 2 Lagen aufgetragen, je 2-3 mm dick. Verbrauch: ca. 3-4 kg/m² pro Lage, also 6-8 kg/m² gesamt. Für 20 m² Kellerwand brauchst du 120-160 kg Trockenmasse. Zusätzlich Armierungsgewebe bei Rissen (ca. 1 m² Gewebe pro laufenden Meter Riss).
- 04
Mische die Dichtschlämme an: Bei 2-Komponenten-Systemen zuerst die Flüssigkomponente in den Eimer, dann das Pulver einrühren (nicht umgekehrt – sonst Klumpen!). Mit Rührgerät auf niedriger Stufe (300-400 U/min) 3-5 Minuten mischen. Konsistenz: Cremig, streichfähig, aber nicht zu dünn. Nach 3-5 Minuten Reifezeit nochmal kurz durchrühren.
- 05
Nässe die Wand vor: Die vorbereitete, grundierte Wand mit Wasser einsprühen. Sie muss gleichmäßig feucht sein, aber nicht triefend nass. Das verhindert, dass die Wand der Dichtschlämme zu schnell Wasser entzieht, was zu Rissen und schlechter Haftung führt. Bei heißem Wetter mehrfach vornässen.
- 06
Trage die erste Lage Dichtschlämme auf: Mit Maurerkelle oder Quast die erste Lage satt und gleichmäßig auftragen. Schichtdicke ca. 2-3 mm. Von unten nach oben arbeiten. Fugen und Vertiefungen besonders sorgfältig füllen. An Wand-Boden-Anschlüssen Hohlkehlen (abgerundete Übergänge) formen – Ecken sind Schwachstellen.
- 07
Lege Armierungsgewebe in Risszonen ein: Bei vorhandenen Rissen Armierungsgewebe (Glasfaser) in die erste, noch feuchte Lage einbetten. Gewebe glattstreichen, mit Kelle in die Schlämme eindrücken. Überlappung der Bahnen mindestens 10 cm. Armierung verhindert, dass Risse die Abdichtung durchbrechen.
- 08
Lasse die erste Lage antrocknen: Je nach Temperatur und Luftfeuchte trocknet die erste Lage in 12-24 Stunden. Sie muss noch leicht feucht sein für die zweite Lage (bessere Verbindung). Nicht zu stark durchtrocknen lassen – dann wieder vornässen. Farbe wechselt von dunkelgrau (nass) zu hellgrau (trocken).
- 09
Raue die erste Lage auf (optional): Bei sehr glatten Oberflächen oder längerer Standzeit zwischen den Lagen die erste Lage mit Drahtbürste aufrauhen. Das verbessert die Haftung der zweiten Lage. Aufgeraute Flächen erneut vornässen.
- 10
Trage die zweite Lage kreuzweise auf: Zweite Lage im 90°-Winkel zur ersten auftragen (erste Lage vertikal, zweite horizontal oder umgekehrt). Schichtdicke wieder 2-3 mm. Das garantiert lückenlose Abdichtung – eventuelle Fehlstellen der ersten Lage werden überdeckt. Oberfläche mit Glättkelle nachglätten.
- 11
Halte die Dichtschlämme feucht während der Aushärtung: Mineralische Dichtschlämme braucht Feuchtigkeit zum Aushärten (hydraulische Bindung). In den ersten 2-3 Tagen mehrmals täglich mit Sprühflasche anfeuchten. Bei heißem, trockenem Wetter Folie davor hängen. Zu schnelles Austrocknen führt zu Rissen und reduzierter Festigkeit.
- 12
Kontrolliere nach 7 Tagen: Nach einer Woche ist die Dichtschlämme mechanisch belastbar, die volle Festigkeit erreicht sie nach 28 Tagen. Prüfe auf Risse, Fehlstellen oder Blasen. Kleine Fehlstellen mit Restmaterial nachbessern. Bei größeren Problemen: Fachmann konsultieren.
- 13
Plane die Nachbehandlung: Dichtschlämme allein ist nicht dekorativ. Draufputzen, Fliesen oder Streichen ist nach vollständiger Aushärtung (28 Tage) möglich. Achtung: Dispersionsfarben blockieren Diffusion – besser Silikatfarbe oder Sanierputz als Abschluss.
Wichtige Hinweise
- WISSEN
- Dichtschlämme arbeitet durch Kapillarporenverengung: Sie verstopft die Poren im Mauerwerk und wird selbst wasserundurchlässig. Gleichzeitig bleibt sie diffusionsoffen – Wasserdampf kann entweichen.
- PLANUNG
- Innenabdichtung ist Notlösung! Wenn irgendwie möglich, dichte von außen ab. Außenabdichtung ist bauphysikalisch korrekt und dauerhafter.
- QUALITÄT
- Markenschlämme (Ceresit, Sopro, Schomburg) kosten mehr, sind aber geprüft und zuverlässig. Billig-Produkte versagen oft schon nach 2-3 Jahren.
- INSTALLATION
- Hohlkehlen an Wand-Boden-Übergängen sind extrem wichtig. Ecken sind Sollbruchstellen – abrunden mit mindestens 3 cm Radius.
- FEHLER
- Häufigster Fehler: Zu dicke Einzellagen (>5 mm). Die Schlämme reißt dann beim Trocknen. Lieber dünne Lagen und evtl. eine dritte Lage auftragen.
- GESUNDHEIT
- Dichtschlämme ist alkalisch (pH 12-13) – ätzend! Haut- und Augenkontakt vermeiden. Bei Kontakt sofort mit viel Wasser spülen.
- PRAXIS
- Angemischte Schlämme hat eine Verarbeitungszeit von 30-60 Minuten. Danach wird sie steif. Nur so viel anmischen, wie du in dieser Zeit verarbeiten kannst.
- NACHBEHANDLUNG
- Keller nach Abdichtung gut lüften. Die Restfeuchte aus dem Mauerwerk muss raus. Luftentfeuchter beschleunigt Trocknung.
⚠ Warnungen
- GESUNDHEIT
Dichtschlämme enthalten Zement – stark alkalisch und ätzend. Schutzbrille, Handschuhe und langärmelige Kleidung tragen!